Manche Karrieren beginnen, weil ein Telefon klingelt. Bei Gianfranco Bonera war es ein Anruf von Renzo Pasolini im Mai des Jahres 1973, der sein Leben verändern sollte.

Manche Karrieren beginnen, weil ein Telefon klingelt. Bei Gianfranco Bonera war es ein Anruf von Renzo Pasolini im Mai des Jahres 1973, der sein Leben verändern sollte.

Was daraufhin folgte, war eine der faszinierendsten Geschichten des Motorrad-Rennsports der 1970er Jahre.

Vizeweltmeister, MV-Agusta-Werksfahrer und Nachfolger von Agostini

Geboren wurde Gianfranco Bonera 1945 in Porpetto, einer kleinen Gemeinde in der Nähe von Udine im Nordosten Italiens. Dort begann der ambitionierte Italiener seine sportliche Laufbahn zunächst im Radrennsport. Als seine Familie in die Nähe von Monza zog, ließ sich der Kontakt zum Motorsport nicht vermeiden. Mit 26 Jahren stieg er vergleichsweise spät in den Motorrad-Rennsport ein – und holte das Versäumte schnell nach: 1972 gewann er in der italienischen Junioren-500er-Meisterschaft schlicht und einfach mal eben jedes Rennen.

Das blieb nicht unbemerkt. Nachdem er 1973 mit einem eindrucksvollen Sieg in Misano auf sich aufmerksam gemacht hatte, saß er 1974 bereits auf der MV Agusta 500 – als Nachfolger von niemand Geringerem als Giacomo Agostini, der zu Yamaha gewechselt war. Ein Ritterschlag. Und Bonera enttäuschte nicht. Das Jahr 1974 sollte sein erfolgreichstes Jahr werden: Er gewann den Grand Prix der Nationen in Imola, führte zeitweise die WM-Wertung an – und wurde am Ende Vize-Weltmeister in der 500er-Klasse hinter seinem MV-Agusta-Teamkollegen Phil Read. Ein WM-Titel, der an diesem Jahr zum Greifen nah war.

1976 wechselte Bonera in die 250er-Klasse zum Harley-Davidson-Werksteam auf Aermacchi-Maschinen, mit dem er prompt den Grand Prix von Spanien in Barcelona gewann und die Saison auf Platz drei der Weltmeisterschaft beendete. Ein weiterer Beweis seiner Vielseitigkeit und seines Kampfgeists – Eigenschaften, die ihn bei Fans und Kollegen gleichermaßen beliebt machten. Vier Jahre danach hängte Gianfranco Bonera seinen Helm an den Nagel – und widmete sich anschließend seinem Motorrad-Fachhandel in Cinisello Balsamo, nahe Mailand. Die Leidenschaft für das Motorrad hat ihn aber bis jetzt nie verlassen.

Heute ist Gianfranco Bonera 80 Jahre alt – und kommt zum Grand Meeting 2026 vom 31. Juli bis 2. August ans Rittergut Birkhof. Ein Zeitzeuge der goldenen MV-Agusta-Ära, ein Gegner und Weggefährte von Agostini, ein Mann mit Geschichten, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

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